Kinder im Krankenhaus – wieviel ist uns ihre Versorgung wert?

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) weist auf die zunehmenden Schwierigkeiten in der Finanzierung von Kinderkliniken und -abteilungen in Deutschland hin.

 

Bei den politischen Entscheidungen während der letzten Pandemiemonate standen Kinder mit ihren Bedürfnissen klar im Hintergrund. Kinder und Kinderrechte haben in Deutschland noch immer nicht den Stellenwert, der ihnen zusteht. In der klinischen Versorgung hat diese Nichtbeachtung zu einem drängenden Problem geführt: Wieviel ist uns die Versorgung kranker Kinder wert? Wie - und wie lange noch - können Kinderkliniken ihre Aufgaben noch erfüllen? Welche finanziellen Strukturen können dies in Zukunft überhaupt noch leisten?

 

Kindermedizin ist zeit- und personalintensiv. Durch den immens gestiegenen ökonomischen Druck in der Klinikversorgung ergreifen Klinikverwaltungen immer häufiger Sparmaßnahmen auf Kosten der Kinderkliniken und -abteilungen. Dies führt z.B. zum Personalmangel, nach dem Pflegemangel jetzt zusätzlich bei Ärzt/-innen. So stehen wegen akuter Bettenschließungen de facto weniger Betten zur Verfügung als eigentlich bereitgestellt.

 

Schon lange setzt sich die DGKJ gemeinsam mit anderen kinder- und jugendmedizinischen Fachgesellschaften und Verbänden für die Überarbeitung des Finanzierungssystems der stationären Pädiatrie ein. Die Finanzierung allein durch das Fallzahl-abhängige DRG-System kann vor allem aufgrund der erhöhten Fix- und Vorhaltekosten die Leistungen der Pädiatrie nicht angemessen auffangen. Dies führt trotz langjähriger Bemühungen, das DRG-System anzupassen, insbesondere im Bereich der komplex und chronisch kranken Kinder zur Unterfinanzierung.

 

„Eine auskömmliche Finanzierung von Kliniken/Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin ist unabdingbar. Nur bei entsprechenden Anpassungen durch Bund und Länder kann eine flächendeckende stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen auf hohem Niveau und in akzeptabler Nähe zum Wohnort langfristig gesichert werden. So muss etwa der Sicherstellungszuschlag für Kliniken/ Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin in strukturschwachen Gebieten ausgebaut werden. Damit hätten wir einen Vergütungsbestandteil für die Vorhaltekosten von allen versorgungsnotwendigen Fachabteilungen für Kinder und Jugendliche, von der kleinen Fachabteilung in dünn besiedelter ländlicher Region bis zum Maximalversorger für die Versorgung von komplex und chronisch kranken Kindern“, so Prof. Jörg Dötsch, Präsident der DGKJ.

 

Die Kinderklinikfinanzierung hat mittlerweile auch Eingang in die verschiedenen Ebenen der politischen Beratungen gefunden. So forderte der Bundesrat die Bundesregierung auf, ein Modell für eine zukunftsfähige Finanzierung der kinder- und jugendmedizinischen Kliniken und -abteilungen vorzulegen.

 

Dötsch betont: „Wir begrüßen die Aufforderung durch den Bundesrat und begleiten die weiteren Schritte sehr gern mit unserer Expertise. Unsere Gesellschaft muss eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung unserer Jüngsten sichern. Denn Kinder sind unsere Zukunft – behandeln wir sie auch so!“.

 

Auch andere Gesundheitsthemen müssen in naher Zukunft angepackt werden, als Beispiele seien genannt: eine Kind-orientierte Ausbildung für alle Ärzt/-innen, die Kinder behandeln, eine sichere Arzneimittelversorgung, geordnete Strukturen für den Übergang in die Erwachsenenmedizin insbesondere von chronisch kranken Kindern, verhältnispräventive Maßnahmen, die Lebenswelten und Ernährung erreichen, und nicht zuletzt die Förderung der dringend benötigten flächendeckenden Gesundheitskompetenz.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Berlin